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Christian Salvesen: Liebe:
Das Herz aller Weltreligionen
Eine Einführung in die fünf Weltreligionen Judentum,
Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus anhand eines zentralen Textes
jeder der Religionen über die Liebe: das Hohelied von Salomon und
Paulus, Texte von Rumi, Bhagavadgita und Buddhas Herzsutra. Anregungen
zum interreligiösen Dialog und zur Integration der Liebe in unser
Leben. Mit einem Vorwort von Christoph Quarch.
326 Seiten, gebunden, ISDN 978-3502611943, O. W. Barth
im S. Fischer Verlag, € 19.95
Inhalt
Vorwort von Christoph Quarch
Einleitung
Kapitel 1
DER RUF NACH LIEBE
Es gibt viele Arten der Liebe
Tierische Liebe
Die romantische Liebe
Mutterliebe
Freundschaft
Die Gottesliebe
Die unerfüllte und krankhafte Liebe
Liebe und Tod
Kapitel 2
JUDENTUM
DAS HOHELIED SALOMOS: LEIDENSCHAFT
Was ist Judentum?
Entstehung und Verbreitung
Gott und Ich
Jüdischer Glaube
Die Kabbala
Das Hohelied
Hintergrund
Lied 1: Der Kuss
Lied 2: Die Schönheit
Lied 3: Die Suche
Lied 4: Der geheime Garten
Lieder 5-8: Das Feuer
Bedeutung des Hohenlieds im Judentum
Kapitel 3:
CHRISTENTUM
DAS HOHELIED DER LIEBE VON PAULUS: NÄCHSTENLIEBE
Woran Christen glauben
JESUS
Die göttliche Perspektive
Der liebende Gott
Die Auferstehung
Der Menschensohn
Barmherziger Hirte, lachend?
Der Kompromisslose
Die Bergpredigt
Andere über ihre Liebe zu Jesus
Verrat und Bekenntnis
Christliche Mystik
Das Thomasevangelium
PAULUS
Die Mission
Das Hohelied
Der Text
Was ist „spirituell“?
Liebe ist überpersönlich
Die Qualitäten der Liebe
Jenseits der Zeit
Kapitel 4:
DER ISLAM
DER KORAN UND RUMI: ANBETUNG UND EKSTASE
Was ist der Islam?
Selbstverständnis und Verbreitung
Die fünf Säulen des Islam
Probleme und Verständigung
Mohammed, der Prophet
Der Koran
Entstehung, Funktion, Struktur, Poesie, Wirkung
Allah
Liebe, Ehe und die Stellung der Frau
Die Gemeinschaft der Menschen
Die Mystik im Islam
Von der Askese zur Gottesschau
Die Sufis: Praxis und Wirkung bis heute
Rumi
Ausgewählte Gedichte von Rumi
Die Klage der Ney
Der Schlag der Trommel
Geprüfte und gereifte Liebe
Stirb und sei still
Kapitel 5
HINDUISMUS
DIE BHAGAVADGITA: BHAKTI
Götter und Gurus
Tantra
Maya
Die Bhagavadgita
Entstehung und Wirkung
Der Kontext und die Prinzipien
Die 18 Gesänge
1. Gesang: Arjunas Verzweiflung
2. Gesang: Samkhya und die unsterbliche Seele
3. Gesang: Der Yoga des Handelns
4. Gesang: Der Yoga des Erkennens
5. Gesang: Der Yoga der Handlungsentsagung
6. Gesang: Dhyanayoga – Meditation
7. Gesang: Yoga der Unterscheidung
8. Gesang: Brahmayoga
9. Gesang: Yoga der königlichen Erkenntnis
10. Gesang: Der Yoga der höchsten Manifestation
11. Gesang: Die universale Form
12. Gesang: Wege zum Göttlichen
13. Gesang: Feld und Kenner des Feldes
14. Gesang: Yoga der Überschreitung der drei Guna
15. Gesang: Yoga des Höchsten Geistes
16. Gesang: Yoga der Unterscheidung - Götter und Dämonen
17. Gesang: die Unterscheidung des dreifachen Glaubens
18. Gesang: Yoga der Befreiung durch Entsagung
Kapitel 6
BUDDHISMUS
DAS HERZSUTRA: EINSSEIN
Ist Buddhismus überhaupt eine Religion?
Buddha
Von Prinz Siddharta zum Buddha
Die vier Edlen Wahrheiten und der achtfache Pfad
Theravada
Ashoka und die ersten Konzile
Die acht Stufen der meditativen Vertiefung
Das Metta-Sutta
Sich und anderen der beste Freund sein
Mahayana
Allgemeine Entwicklung
Nagarjuna
Atishas Tonglen
Zen
Tantra
Sahara und die Pfeilmacherin
Tilopas Lehre vom Mahamudra
Dzogchen
Buddhismus Heute: ein Bekenntnis
Das Herzsutra
Der Text
Der Kontext
LSD und Meditation
Bedingte Entstehung
Die Leere des Bewusstseins
Relative und absolute Ebene
Das Mantra: Loslassen
Die Freude ist Liebe
Bodhicitta – das Mitgefühl der Bodhisattvas
Kapitel 7:
DIE INTEGRATION DER LIEBE
Die Botschaft und ihre Umsetzung
Gibt es Stufen der Liebe?
Zehn Qualitäten der Liebe
Schönheit
Empfänglichkeit
Sehnsucht
Leiden
Kampf
Hingabe
Zärtlichkeit
Einung
Reden und Schweigen
Dankbarkeit und Demut
Auswertung für alle Weltreligionen
Der Interreligiöse Dialog
Die Praxis
Das Herz
ANHANG
Anmerkungen
Literatur
CDs/DVDs
Adressen (Internet etc.)
Danksagung

Einleitung
„Liebe ist“. So lautet der Titel eines Hits der deutschen
Sängerin Nena. Sie hatte schon in den 80ern großen Erfolg,
ist inzwischen eine reife, erfahrene Frau und singt nicht von Teenager-Verliebtheit.
Dieser Titel ist genial. Er lässt jede Beschreibung aus, ja weist
in sich darauf hin, dass keine Definition nötig oder möglich
ist. Doch natürlich werden Eigenschaften genannt. Wie im berühmten
Vorbild, dem Brief von Paulus an die Korinther. Nenas Text ist wie eine
zeitgemäße Kurzfassung:
„Liebe will nicht,
Liebe kämpft nicht,
Liebe wird nicht,
Liebe ist.
Liebe sucht nicht,
Liebe fragt nicht,
Liebe ist, so wie du bist.“
Liebe ist …herrlich? friedlich? Nein. Liebe ist. Punkt. Das ist
wunderbar. Das lässt sie offen sein. Nicht zerquetscht von allen
nur möglichen Definitionen, wofür sie gut sein könnte:
Für den Menschen, Gott, die Gesellschaft, Wirtschaft, die Familie.
Zugleich sagen die zwei Worte: Ja, es gibt die Liebe wirklich.
Sollen wir das glauben? Wie denn? Wer Liebe unmittelbar erfährt,
braucht keine Texte, die ihn oder sie darauf hinweisen. Doch relativ selten,
viel zu wenig, fühlen wir uns geborgen, getragen und emporgehoben
von dem, was wir allgemein als Liebe bezeichnen. Sehr oft scheint uns
das Wort ‚Liebe’ hohl und nichtssagend, allenfalls als kitschig
oder wie ein Hohn.
Doch wir wissen erstaunlicherweise seit früher Kindheit etwas mit
dem Begriff anzufangen. Liebe hat mit Hoffnung und Erwartung, einem Ideal
zu tun. Und diese mit verschwommenen Gefühlen verbundenen Vorstellungen
und Konzepte stammen vor allem aus der religiösen Tradition. Jegliche
Vorstellung von Liebe in einem „höheren Sinn“, gekoppelt
an mehr oder weniger deutliche Versprechen von Unvergänglichkeit,
hat ihre Quelle in religiösen Traditionen.
Liebe ist unsterblich. Das ist unsere Sehnsucht, auch wenn wir sie nur
selten auszudrücken wagen. Die Religionen haben dieser Sehnsucht
Ausdruck gegeben. Die Texte aus den religiösen oder philosophischen
Traditionen sind gleichsam Manifeste, verbindliche Erklärungen. Wir
können uns auf sie berufen, wenn wir einen katholischen Priester
oder evangelischen Pfarrer, einen Rabbi oder Imam, einen Tibetischen Lama
oder japanischen Zen-Meister fragen, was Liebe ist, wie er sie lebt und
wie wir sie leben können.
Aus den Weltreligionen Judaismus, Christentum, Islam, Hinduismus und
Buddhismus habe ich die großen „Liebesgedichte“ ausgewählt
und interpretiert. Ich möchte damit zu einem Verständnis der
Einheit nicht nur der Religionen, sondern vor allem der Menschen selbst
beitragen. Jeder von uns kann begreifen, dass wir alle eins sind. Keine
allgemeinen Beschlüsse von Politikern greifen, wenn wir nicht einverstanden
sind. Und umgekehrt können wir, jeder einzelne von uns, das Leben
der Menschen und Tiere auf dieser Erde zum Besseren verändern, wenn
wir auf unser Herz hören.
Letztlich sollten wir keiner Botschaft folgen, sondern nur der Liebe
selbst, und die kennt keine Begrenzung, keine Gebote und Verbote. Deshalb
sind alle die hier beschriebenen religiösen Traditionen immer auch
kritisch zu sehen. Sie haben uns über unsere Eltern und Vorfahren
tief beeinflusst. Wir sind immer irgendwie durch religiöse Vorstellungen
in unseren Gedanken, Gefühlen und Handlungen geprägt. Die Religionen
haben ebenso zu Kriegen geführt wie auch zu Friedensverhandlungen.
Die Religion selbst ist kein Garant für Liebe und Frieden. Es liegt
allein an uns, was wir aus unserem Leben in dieser Welt machen, für
uns selbst und alle anderen. Wir können dabei soweit wie möglich
auf unser Herz hören, und dazu möchte dieses Buch anregen.
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